Svatá Starosta

Installation und solo show Galerie Montanelli Prague 2006
“Kleid” installation Bereznitsky Gallery Berlin 2009

Kleid (Dress)

mixed media, interior drawing, 290 x170cm.

Dieses sich drehende Kleid, dessen Reifrock innen ausgemalt ist und den mal durch einen Schlitz an der Vorderseite betreten kann, ist eine künstlerisch Reflektion der wundervollen Legende um die Heilige Kümmernis (Sv. Starosta).

The Starosta Altar

Oil on wood and canvas, 2006/07, open 123x163cm

variable size paintings reflect the legend of the famous Saint Starosta in Prague.

Der Starosta Altar ist zusammengefügt aus Bildern, die die Legende der HeiligenKümmernis (Sv.Starosta) reflektieren.

Legende der Heiligen Kümmernis

Nein, die Svatá Starosta im Loretakloster in Prag (eine Heilige Kümmernis) ist nicht Christus am Kreuz, ist nicht der nackte Schmerzensmann, der sich plötzlich in einen Tuntenfummel verirrt hat. Es ist nicht ein bärtiger, gekreuzigter Transvestit, wie man ihn/sie heute kennt von den Christopher-Street-Day-Paraden auf der ganzen Welt.

Nein, diese Figur soll eine heilige Jungfrau darstellen, die Christus angerufen haben soll, sie zu entstellen, damit sie den für sie vorgesehenen Heidenkönig nicht heiraten muß. So ließ ihr der Allmächtige über Nacht einen Bart wachsen. Für diese Weigerung und Entstellung wurde sie ans Kreuz geschlagen. Soweit die Legende.

Aber geschichtliche Forschungen legen nahe, dass diese Legende auf einem alten Missverständnis beruht: “ Im Dom zu Lucca (Portugal) gibt es ein bekleidetes gotisches Kruzufix, II Volto Santo. Hier wird Christus noch nicht als Leidender dargestellt, sondern als triumphierender Salvator Mundi (Erlöser der Welt) am Kreuz – mit Krone und in einem Faltengewand! Dieses damals nördlich der Alpen ungewöhnliche Kruzufix hat offensichtlich die Phantasie seiner norddeutschen Betrachter angeregt und führte zu der Erzählung von der gekreuzigten Jungfrau. In den Wurzeln geht die Legende zurück in die Frühzeit des Christentums, festigte sich im Hochmittelalter und verknüpfte sich mit der Novelle vom armen Spielmann, dem die heilige Kümmernis ihren goldenen Schuh zuwirft.

Die Verbindung der heiligen Kümmernis mit dem Volto Santo von Lucca ergab sich, als das bekleidete Kreuz nicht mehr verstanden wurde“. (Quelle: Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, Köln)

Die “Heilige Kümmernis“ und also auch die Svatá Starosta in Prag, ist demnach als eine erfundene “Heilige“, ihre Legende folglich als die Geschichte eines missverstandenen Kleides zu betrachten.

Kai Teichert widmet nun dieser kuriosen Heiligenfigur eine Ausstellung in der Galerie Montanelli.